02 März 2013

Bitte gehen Sie weiter! Es gibt hier nichts zu sehen!

Heute (und das an einem Samstag! Kein Werktag!) ist es so weit: die ersten frühlingstauglichen Sonnenstrahlen krempeln die Ärmel auf und treten den Kampf gegen die letzten Schneehaufen an. Die wehren sich standhaft -wird ihnen aber nichts nützen auf lange Sicht.

Die Vögel versuchen, sich an ihre Vorjahresgesänge zu erinnern und testen ihre Stimmbänder. Die Nachbarn wiederum machen das selbe mit ihren vom langen Winter steifen Gelenken UND ihren Stimmbändern, rufen über den Zaun, winken im Vorbeigehen oder gehen gleich gar nicht vorbei, sondern kommen einfach durch das halb offene Tor herein, gerade so, als hätten sie eine Einladung zur Gartenparty bekommen. Neugierig sehen sie sich in alle Richtungen um, die Erwartungshaltung scheint hoch zu sein. "Na, bist du schon beim Salat-Ernten?" oder "Was pflanz' ma denn grad aus?" Da muss ich euch enttäuschen! Ich habe kein beheiztes Glashaus, kein dampfendes, pferdebemistetes Frühbeet, keinen Wintergarten am Haus, der sich für die frühe Anzucht eignet. Und letzten Sonntag hatten wir noch genug Schnee, um ein mächtiges Iglu im Hof zu errichten, das man eigentlich bei der Baubehörde anzeigen müsste.

Nein, es gibt noch nichts zu sehen und schon gar nichts zu holen (adressiert an alle Sämlings- und Samenräuber).


Tapfer stehe ich vor meinem offenen Frühbeet, ein paar Samensäckchen in den Händen, die aussaatbereite Erde schön glattgerecht und versuche mich zu freuen, dass ich heute schon Erde unter die Fingernägel bekommen habe und mir eine Kontaktdermatitis geholt habe beim Achillea zurückschneiden (manche Dinge merke ich mir anscheinend nie).

Geht weiter, steckt eure neugierigen Nasen woanders rein! Ich will mich freuen, weil ich weiß, dass es richtig ist, nicht vor März auszusäen und schon gar nicht im Haus und schon überhaupt nicht in den nassen, kalten Boden. Nur zu oft wurden die im Februar auf der Fensterbank gezogenen  langbeinigen, schwindsüchtigen Sämlinge bereits Kompostfutter.



Beim Gärtnern, habe ich gelernt, hat man Erfolg, wenn man Arbeiten zum richtigen Zeitpunkt durchführt, da muss man halt manchmal gegen die Ungeduld angehen. Und es hat sich doch immer wieder gezeigt, dass diese rachitischen Fensterbankpflänzchen ihren Vorsprung eh nicht halten können. Zwei bis drei Wochen später ins Kalthaus gesäte Pflanzen sind kompakter, stärker und entwickeln sich rascher und gesünder, als ihre verhätschelten Geschwister.

"So: und jetzt bitte zügig weitergehen!"




Kommentare:

  1. Wenn Du im Großen und Ganzen auch Recht hast, ein bisschen traurig liest sich dieser Post aber trotzdem.
    Im Frühbeet könnte übern Winter Winterhäuptl wachsen. Der brauchts nicht warm, mein Glashaus ist auch nicht beheizt. Aber etwas Pflege natürlich schon, wässern, etc.

    Du hast Samen und Pflanzenräuber? *großschau* Ich freue mich, wenn jemand die Pflänzchen die ich zuviel habe mag.

    lg Frieda

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    1. Liebe Frieda,
      ja, traurig schon, weil mir der Winter schon lang wurde, aber es war ja ironisch gemeint! Sicher, wenn ich so ein Glashaus hätte, dann könnt ich auch schon Anfang März mit vollen Händen austeilen. Ich geb ja gern! Wenn sie aber dann so enttäuscht schauen, weil trotz meiner allseits bekannten Garten-Leidenschaft der Garten am ersten sonnigen Tag des Jahres nicht so grün dasteht, wie die Verkaufshalle eines Gartencenters, muss ich ihnen zu meiner Verteidigung sagen, dass Pflanzen nur mit Licht und Wärme wachsen ;-)

      LG aus dem Gartl,

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  2. Genau, gut Ding will Weile haben. Meist liege ich mit meinem Baugefühl richtig = wenn ich Lust auf Gartenarbeit habe, da das Wetter stimmt, dann kann ich loslegen. Vorher kann ich zwar den Frühling herbeilgucken, sollte aber die Pflänzchen in Ruhe lassen ...
    Doch ich muss zugeben Dreck unter den Fingernägeln tut jetzt mal wieder richtig gut :-)
    Dann frohes Schaffen!
    LG Silke

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  3. Liebe Christiane,

    nur 8 Tage unterschied. Ich glaub es kaum.
    Aber auch hier schwindet der Schnee.

    Gut ding will Weile haben.
    Oder: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

    Ich glaube, von Dir kann ich noch viel lernen.


    Liebe Grüße
    Nula

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    1. Liebe Nula,

      danke für den netten Kommentar. Ich hab gleich lachen müssen, weil ich mich irgendwie dabei ertappt habe, Wasser zu predigen und Wein zu trinken: Glaub mir, wenn es eine Möglichkeit gäbe, mit Erfolg am Gras zu ziehen, ich wär die erste, die es täte. Ich bin die Ungeduld in Person! Aber mit jedem Jahr werde ich geduldiger....
      Liebe Grüße aus dem Gartl,

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  4. Schön geschrieben, auch wenn mich selbst die Ungeduld gepackt hat und ich schon einige Pflänzchen auf der Fensterbank vorziehe, die dann später ins Anzuchthäuschen kommen, aber das ist auch zum großen teil kein Gemüse:-)
    Ein schönes Frühbeet hast Du da und schön, dass es noch so leer ist, so kann ich es mir genau anschauen.
    Mußt nicht so viel verschenken, dann denken die Leut halt, das steht ihnen zu, weil war ja immer so, Du hast ja eh zu viel...."Ach und kannst Du nicht wieder diesen tolle Salat ziehen, den Du vor 3 Jahren hattest, Du weißt schon, also der hat ja so lecker geschmeckt, davon würd' ich dann auch 5 Pflanzen nehmen. ..." So geht es mir schon mit Tomaten....aber Nein, Bestellungen werden nicht entgegen genommen, nur für besondere menschen....
    Lieben Gruß und viel Spaß an der frischen Luft Cordula

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  5. Da kann ich nun nicht einfach wiedergehen ohne Grüsse hierzulassen. Mich hat Dein Post jetzt so richtig aufgebaut... weil ich hab es einfach nicht gemacht auf der Fensterbank vorzuziehen. Die Samentüten sind ja da, es fehlte der Zeitpunkt das mit Lust und Freude zu tun. Ich hatte ein schlechtes Gewissen deshalb, doch nun nach dem Lesen hier geht es mir gut, ich geh in den Garten und werde es abwarten und zum richtigen Zeitpunkt in der Natur draussen anfangen die Saat auszustreuen.
    viele Grüsse
    Elisabeth

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